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Internationale Tagung
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Musikwissenschaft beschreibt, deutet, bewertet und erinnert Musik und generiert auf diese Weise Wissen über sie. In Prozessen der Untersuchung und Beschreibung formt Musikwissenschaft ihre jeweils eigenen Kontexte und Konzepte. Die von NachwuchswissenschaftlerInnen konzipierte internationale Tagung Konstruktivität von Musikgeschichtsschreibung: Zur Formation musikbezogenen Wissens fragt aus verschiedenen theoretischen Perspektiven nach Momenten der Konstruktion von Musikgeschichtsschreibung, nach Prozessen ihres Entstehens und nach Wandel und Bestand musikbezogenen Wissens. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass Musikgeschichte – wie Geschichte überhaupt – nicht selbstverständlich vorhanden ist bzw. sich nicht eindeutig oder von selbst aus beobachtbarem Geschehen ergibt, sondern dass ihre Entstehung sich maßgeblich im Wechselspiel individueller, sozialer und kommunikativer Wahrnehmung und disparater Bedeutungszuschreibung vollzieht sowie in der Einordnung in bekannte Kategorien bei deren gleichzeitiger Aktualisierung. Musikhistorisches Wissen erscheint somit stets als Produkt einer bestimmten Gegenwart; es basiert auf der konstruktiv hervorgebrachten Erinnerung an Vergangenheit und der Kontingenz ihres Wandels. Dabei wird Musikgeschichte nicht nur von MusikwissenschaftlerInnen generiert. An dem Prozess der Herstellung, Vergegenwärtigung und Verbreitung musikbezogenen Wissens ist eine Vielzahl weiterer Akteure beteiligt, ebenso variieren die Medien der Vermittlung. Die Musikwissenschaft war in ihrem historiografischen Verständnis lange Zeit von hegelianischer Geschichtslogik, Historismus und holistischem Denken geprägt – Perspektiven, die innerhalb postmoderner, poststrukturalistischer und konstruktivistischer Theorien vielfach kritisiert worden sind. Epistemologische Fragen nach der Möglichkeit verbindlichen oder objektiven Wissens sowie nach der Konstruktivität im Prozess des Schreibens von Geschichte gewannen zunehmend an Bedeutung, wurden jedoch in der deutschsprachigen Musikwissenschaft nur marginal reflektiert. Zwar ist es in der Musikwissenschaft selbstverständlich geworden, nicht nur nach der Musik selbst zu fragen, sondern gerade auch nach den kulturellen Rahmungen, Kontexten und Funktionen ihres Erscheinens. Für ihre interdisziplinäre Verortung im Ensemble der Geisteswissenschaften erscheint es jedoch überdies notwendig, sich stärker zu philosophischen und kulturwissenschaftlichen Theorien zu positionieren, die gerade die konstruktiven Momente in der Wissensproduktion und ‑formation hervorheben und die in den Nachbardisziplinen selbstverständlich und oft kontrovers diskutiert werden. Vor diesem Hintergrund lädt die Tagung zum einen zur Evaluation des musikwissenschaftlichen Nutzens theoretischer und methodologischer Entwürfe aus Nachbardisziplinen ein. Zum anderen fragt sie nach der Gemachtheit von Musikgeschichte und den Prozessen und Mechanismen ihrer Hervorbringung, wobei auch anhand konkreter Beispiele aus der Musikgeschichtsschreibung Konstruktionen, Fiktionen, Mythenbildungen, Legitimationsbestrebungen und Konsistenzbehauptungen hinterfragt und durchleuchtet werden sollen. Mit der Verbindung dieser beiden Ansätze sieht die Tagung ihr übergeordnetes Ziel in der erkenntnistheoretischen Diskussion der kulturellen Konstitution von Wissen über Musik sowie in der Frage nach der spezifischen Epistemologie musikhistorischer Erkenntnis. Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Eine Publikation der Beiträge ist geplant. |
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